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Geschichte Umgebung

"Das Einhorn" in der City von Haldensleben

 

In Haldenslebens historischer Innenstadt lohnt es sich zu bummeln. Den Stadtkern bestimmen Häuserzeilen deren Antlitz der Gründerzeit oder dem Jugendstil entstammen. Es gibt aber auch viele Fachwerkbauten, deren Alter sich in barocker oder gar mittelalterlicher Zeit gründet. So z.B. das Templerhaus, welches das älteste bekannte Haus der Stadt ist und aus dem Jahre 1555 stammt. Die Geschichte dieses Ortes reicht aber bis ins 13. Jahrhundert zurück, denn die Templerritter sollen hier ihrem Ordensleben nachgegangen sein.
Der reitende Roland am Markt - 1419 in Haldenslebens Stadtbüchern erstmals erwähnt - ist in seiner Art der einzige in Europa.

 

Wenn man von dort die Achse Magdeburger Straße / Bülstringer Straße weiterverfolgt, befinden sich bald auf der rechten Seite die Häuser des "Einhorns". Die herrschaftlichen, mehrstöckigen Stadthäuser mit der Gründerzeitfassade - heute die Hausnummern 10 und 12 - können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

 

In ersten kartografischen Zeichnungen sind die dazugehörigen Grundstücke als die größten der Innenstadt des 17. Jahrhunderts dargestellt. Oberbürgermeister, Justizräte, Wirtsleute waren hier zu Haus. Die bisher bedeutendste Phase der Nutzung kam der heutigen Nr. 12 (damals Nr. 23) als Hotel und Gastwirtschaft zugute. Das "Hotel zum Deutschen Haus" in Neuhaldensleben war zu Zeiten von Friedrich und Auguste Janson (um 1900) und auch später noch das "größte und vornehmste Haus am Platze". Schon damals waren Telefon, Zentralheizug, fließendes kaltes und warmes Wasser sowie Autogaragen Standard.

 

Leider mußten beide Häuser in den Jahren nach 1960 weniger behutsame Nutzer ertragen. Renovierungen und Umbauten waren offensichtlich nicht möglich. Für die Nr. 10 war dies ein Glücksfall, denn das Haus ist heute auch im Innern noch bis hin zu Türen und Fensterknäufen in seinem Originalzustand erhalten und wird nun unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten behutsam restauriert. Hier zu wohnen bedeutet Lebensqualität.

 

Für die Nr. 12 ein trauriges Kapitel war gerade die Nachwendezeit. Vandalismus und Zerstörung gingen einher mit Wasserschäden und langem Leerstand. Doch nun wird der traurigen Hülle ein neues Leben eingehaucht. Der Traum vom "Einhorn" wurde hier noch als Samen in den geschundenen Baukörper gesät. Bald schon entwickelte sich die junge Pflanze, die nun behütet wachsen soll.

Über die Geschichte der beiden Häuser existiert noch viel verwendbares Material im nahen Stadtarchiv (ehemaliges Sanitätshaus gegenüber dem Bülstringer Torturm). Dieses soll nun gesichtet werden und wird in Zukunft mehr über Stadt und Leute erfahren lassen. Bis 1730 läßt es sich bisher zurückverfolgen.


Ob der als Hauszeichen angebrachte Löwe mit Heinrich dem Löwen in Verbindung steht, auf dem Grundstück noch ein verborgener Arteserbrunnen existiert oder die Grundmauern wirklich aus dem Mittelalter stammen wird nach und nach erforscht werden. Natürlich würden wir uns freuen, von einheimischen Geschichtskennern mehr zu erfahren.

 

Vorerst sollen aber die schon bekannteren Ahnen der heutigen Bewohner von Haldensleben genannt sein.


Friedrich Freiherr von der Trenck wurde 1727 in Haldensleben geboren. Leider war der preussische Offizier und Schriftsteller zu lange in in magdeburger Festungshaft, um in der Geschichte Haldenslebens bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Sein Geburtshaus ist das heutige Gasthaus "zum Goldenen Stern".

Die Nachfahren der Gebrüder Grimm jedoch haben Haldensleben eine umfassende Sammlung von Haushaltsgegenständen, Fotografien und Bildern sowie Möbeln der Familie überlassen. Die Enkelin Wihelm Grimms Albertine Plock übergab diese Gegenstände 1963 und 1974 an das Museum Haldensleben, wo seither eine Daueraustellung über das Schaffen der großen Wissenschaftler existiert. Am bekanntesten ist wohl deren Sammlung der "Kinder- und Hausmärchen" (oft auch "Grimms Märchen" genannt). Die Grimm-Sozietät zu Berlin erforscht momentan das jedoch viel umfangreichere Werk der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, welches eine geisteswissenschaftliche Bibliothek mit eigenen Schriften und Sammlungen fremder Werke aus den Bereichen Germanistik, Philologie, Mythologie, Volkskunde sowie Rechts- und Geschichtswissenschaften umfaßt.

 

Letzendlich soll hier von all den vielen Wahrzeichen der Stadt nun noch der Bülstringer Torturm aus dem Jahre 1250 genannt sein. Er befindet sich auch in der Bülstringer Straße und gehört zu einem der beiden erhaltenen Stadttore, welche die 2100 Meter lange und sanierte Stadtmauer unterbrechen. Besonders skuril wirkt der Aborterker. Seine ehemalige Nutzung ist unverkennbar und wird bei jeder Führung durch Turmfrau Appel schmunzelnd erklärt. Daß an die Geschichte Haldenslebens auch junge Leute herangeführt werden können, zeigt das Engagement der jungen Historiker, die hier jeden Samstag und Sonntag ehrenamtliche Führungen machen.


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